16.07.2026 | Bayerischer Sparkassentag 2026

Dießl: Finanzielle Bildung ist eine Schlüsselkompetenz

Unter dem Leitmotiv „Finanzen verstehen. Zukunft machen." ist der Bayerische Sparkassentag 2026 heute in der Inselhalle Lindau zusammengekommen. Mehr als 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den 54 bayerischen Sparkassen, ihren Trägerkommunen sowie aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten über die Rolle der Sparkassen in einer Zeit wachsender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Herausforderungen. Im Mittelpunkt stand dabei ein Thema, das für die bayerischen Sparkassen immer stärker an Bedeutung gewinnt: Finanzielle Bildung. Der Präsident des Sparkassenverbands Bayern, Matthias Dießl, machte in seiner Grundsatzrede deutlich, dass finanzielle Bildung weit über die Vermittlung von Wissen hinausgeht: „Wer Finanzen versteht, trifft bessere Entscheidungen. Geordnete Finanzen geben Menschen die Freiheit, ihr Leben selbstbestimmt und zielgerichtet zu gestalten. Genau deshalb wird finanzielle Bildung zur Schlüsselkompetenz,“ ist Dießl überzeugt. „Finanzwissen schafft Orientierung – und Orientierung schafft Zukunft." An den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder als den wichtigsten Gast des diesjährigen Sparkassentags gerichtet formulierte er: “Um Weichen für die Zukunft gut stellen zu können, braucht es allerdings auch eine stabile Basis. Die Menschen und die Wirtschaft in Bayern müssen sich auch weiterhin darauf verlassen können, dass die notwendigen strukturellen Voraussetzungen dazu stimmen.“

Finanzbildung mehr lesen schließen

Der Bayerische Sparkassentag 2026 machte deutlich: Die Sparkassen verstehen finanzielle Bildung als Teil ihres öffentlichen Auftrags. Präsident Dießl betonte in Lindau, dass die Sparkassen in Bayern hier nicht Neuland betreten, sondern an ihre eigene Tradition anknüpfen: „Wenn wir über finanzielle Bildung sprechen, sprechen wir nicht über ein neues Betätigungsfeld derSparkassen. Wir sprechen über unsere DNA“, sagte Dießl. Sparkassen engagieren sich seit Jahrzehnten mit konkreten Angeboten – vom Sparkassen-Schulservice über den Beratungsdienst „Geld und Haushalt“, das Planspiel Börse bis zu zahlreichen Angeboten über Soziale Medien. Zugleich kündigte Dießl an, das Engagement weiter auszubauen. Besonders im Blick stehen dabei junge Menschen. „Wir Sparkassen wollen in Zukunft noch mehr tun“, sagte er. Ziel seien sogenannte „Zukunftstage“ in ganz Bayern, in jedem Sparkassen-Geschäftsgebiet und für möglichst viele junge Menschen. Die von den Sparkassen unabhängigen Veranstaltungen sollen lebensnahe Fragen aufgreifen – von Bewerbung und Wohnungssuche bis zu Versicherungen, Vermögensaufbau und Altersvorsorge. Darüber hinaus verwies Dießl auf den gerade entstehenden Financial Life Park (FLiP) in Fürth, einen innovativen Lernort für finanzielle Bildung, der jungen Menschen wirtschaftliche und finanzielle Zusammenhänge interaktiv und praxisnah vermitteln soll.

Einen besonderen Schwerpunkt für den Sparkassentag setzte die Keynote von Lorenzo Wienecke, Geschäftsführer der Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung, unter dem Titel: „Wer die Finanzbildung dem Elternhaus überlässt, verstärkt bestehende soziale Unterschiede“. Damit griff er die zentrale Botschaft der Tagung auf: Finanzwissen schafft Orientierung – und Orientierung schafft Zukunft. Unter dem Motto #machenstattmeckern hat er die Zukunftstage entwickelt, in denen Jugendliche einen Crashkurs fürs Leben erfahren. Wienecke: „Es geht dabei nicht nur um die persönlichen Lebensentscheidungen und die daraus resultierenden Zukunftsperspektiven junger Menschen. Die Forschung zeigt deutlich, dass eine unzureichende Finanzbildung häufig zu wirtschaftlich unsicheren Lebenssituationen führt. Diese gehen vielfach mit einem sinkenden Vertrauen in demokratische Institutionen und einer geringeren Wahlbeteiligung einher. Finanzbildung ist also auch Demokratieförderung.“

Quereinstieg mehr lesen schließen

Bildung in Finanzfragen war auch das Thema des Gesprächsformats „Quereinstieg als Chance“ durch das Stefan Proßer, Vizepräsident des Sparkassenverbands Bayern, führte. Immer mehr Menschen mit ganz unterschiedlichen Erwerbsbiografien aus verschiedenen Branchen und Ländern lassen sich erst später zu qualifizierten Sparkassenkaufleuten ausbilden. Der Quereinstieg bei einer bayerischen Sparkasse eröffnet ihnen einen neuen Berufsweg und erweitert das Spektrum der Kundenberatung der Sparkassen.

Vertrauen in eine stabile Zukunft mehr lesen schließen

Mit seinem Impuls „Vertrauen in die Zukunft – wie Finanzaufsicht Stabilität sichert“ unterstrich schließlich Michael Theurer, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, dass eine verlässliche Aufsicht zu den zentralen Voraussetzungen für eine funktionierende Finanzordnung und für Zukunftssicherheit gehört. Er meint: Die Finanzaufseher spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Herausforderungen, (vor denen unsere Gesellschaft und auch der Finanzsektor stehen), indem sie Risiken frühzeitig erkennen und die Stabilität des Finanzsystems sichern. Sie können aber nur einen Rahmen schaffen, die Veränderungen selbst müssen von der Gesellschaft und der Politik gestaltet werden – und auch von den Instituten. Die Sparkassen spielen mit ihrer Kundennähe und regionalen Verankerung dabei eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der anstehenden Veränderungen. Wenn die Institute ihre Geschäftsorganisation, ihr Risikomanagement und ihre Produkte auf den Prüfstand stellen und die entwickelten Strategien und Grundsätze konsequent verfolgen, schaffen sie Sicherheit. Diese Sicherheit brauchen wir, um das Vertrauen in die Zukunft wieder zu stärken.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten neben Theurer auch Katharina Jessel, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern, Sandra Peetz-Rauch, Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse Augsburg, Lorenzo Wienecke und Matthias Dießl darüber, wie entscheidend finanzielle Bildung für den individuellen Lebensweg der Menschen ist und welche Rolle eine geregelte gesamtwirtschaftliche Basis dabei spielt.

Neues Sparen mehr lesen schließen

Neben der finanziellen Bildung griff der Bayerische Sparkassentag weitere Zukunftsthemen auf: die Förderung von Sparen und Vermögensbildung auf neuen Wegen und Plattformen, gleichzeitig die Bedeutung persönlicher Beratung trotz einer digitalen Finanzwelt. Das „neue Sparen“ verbindet klassische Sparformen mit Investitionen in den Vermögensaufbau. Hintergrund sind Inflation, veränderte Zinsbedingungen und der Wunsch vieler Menschen nach mehr Renditechancen. Neben sicheren Anlageformen gewinnen deshalb Wertpapiere und digitale Anlagelösungen, wie das neue S-Neo als Online-Broker in der App der Sparkassen, an Bedeutung. Dießl verband diese Themen mit einer klaren Haltung: Technologie spielt eine immer größere Rolle. Aber sie ersetzt nicht das, was Beratung und Förderung im Kern ausmacht: Menschlichkeit. Orientierung.

Förderung des Unternehmergeists mehr lesen schließen

Auch die Förderung von Unternehmergeist war ein wichtiges Thema in Lindau. Die bayerischen Sparkassen begleiten Gründungen, Unternehmensnachfolgen und Investitionen im Mittelstand und tragen so dazu bei, dass aus Ideen wirtschaftliche Realität wird. Dießl betonte, dass Unternehmertum mehr öffentliche Wertschätzung verdient: Unternehmerinnen und Unternehmer schaffen Arbeitsplätze, treiben Innovationen voran und übernehmen Verantwortung. Mit ihrer Finanzierungskompetenz, ihrer regionalen Verankerung und Formaten wie dem Bayerischen Gründerpreis unterstützen die Sparkassen diesen Mut zur unternehmerischen Initiative ganz konkret. Dießl unterstrich diesen Anspruch auch in seiner Rede: Die Sparkassen begleiteten jede zweite Unternehmensgründung, seien ein zentraler Finanzierer des Mittelstands und ein wichtiger Partner für Wachstum und Innovation in Bayern. Zugleich hob er die Rolle der LfA Förderbank Bayern hervor, deren nochmals gestärkte Fördermöglichkeiten ein wichtiges Signal für Unternehmen, Start-ups und Kommunen seien.

Der Bayerische Sparkassentag 2026 in Lindau setzte damit insgesamt ein deutliches Signal: Die bayerischen Sparkassen wollen Zukunft nicht nur begleiten, sondern aktiv mitgestalten – durch Nähe zu den Menschen, durch wirtschaftliche Verantwortung und durch einen starken Einsatz für finanzielle Bildung.

Aktuelle Geschäftsentwicklung mehr lesen schließen

Anlässlich des Bayerischen Sparkassentags in der Jahresmitte des laufenden Geschäftsjahrs hatte Präsident Dießl in Lindau im Vorfeld des Kongresses einen kurzen Überblick auf die aktuelle Geschäftsentwicklung der bayerischen Sparkassen in den ersten fünf Monaten 2026 gegeben:

Die bayerischen Sparkassen sind solide in das Jahr 2026 gestartet. Von Januar bis Mai konnten sie ihr Kreditneugeschäft auf 12,2 Mrd. Euro steigern (+2,4 Prozent gegenüber Vorjahreswert). Dabei blieb das Firmenkundengeschäft angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten auf nahezu gleichem Niveau wie im Vorjahreszeitraum (+1,2 Prozent). Die Darlehenszusagen für den Wohnungsbau (davon zwei Drittel private Baufinanzierungen) haben erneut zugenommen, das Wachstum hat sich mit +5,5 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum allerdings deutlich verlangsamt (+35 Prozent gegenüber den ersten fünf Monaten 2024). Zugleich legte der Nettoabsatz im Wertpapiergeschäft deutlich auf 2,7 Mrd. Euro zu (+38,2 Prozent). Die Einlagen gingen seit Jahresbeginn dagegen um 1,2 Mrd. Euro leicht zurück.

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