Nachdem der massive Einlagenzustrom der Negativzinsjahre 2023 unterbrochen wurde stiegen die Einlagen 2025 zum zweiten Mal wieder an. Rund drei Viertel davon kommen von privaten Kunden, die trotz breiten Wettbewerbsangeboten 2,6 Prozent mehr bei ihren Sparkassen einlegten und jetzt für einen Einlagenbestand von 158,9 Milliarden Euro stehen.
Dabei stiegen besonders die Sichteinlagen der privaten Kunden auf nunmehr 107,4 Milliarden Euro an (2025: +6,1 Prozent, 2024: +1,5 Prozent, 2023: ‑3,5 Prozent). Die Spareinlagen wurden auch 2025 wieder reduziert (‑1,5 Milliarden Euro), allerdings nicht mehr im selben Ausmaß wie in den beiden Vorjahren. Umgeschichtet wurde nicht nur zu täglich fälligen Geldern, sondern auch zu Termingeldern (+5,7 Prozent). Insgesamt flossen den Sichteinlagen aber über 6,2 Milliarden Euro an neuen Mitteln von Privaten zu. Dies obwohl die Sparquote in Deutschland auf rund 10 Prozent des verfügbaren Einkommens gesunken ist.
Bei immer mehr Menschen in Deutschland kommt die Botschaft an, dass langfristiger Vermögensaufbau besser mit Wertpapieranlage bzw. dem Wertpapiersparen gelingt. Auch bei den bayerischen Sparkassen zeigt sich diese Entwicklung, die Zahl der Wertpapierdepots stieg 2025 um 3,9 Prozent. Es passiert auch mehr auf diesen Depots: Der Umsatz im Wertpapiergeschäft mit privaten Kunden nahm 2025 nochmals deutlich zu (+19,8 Prozent, 2024: +26,4 Prozent). Gehandelt wurden v. a. Aktien/Optionsscheine und Investmentfonds, weniger Anleihen. 2025 stieg der Umsatz mit ETF an private Kunden der bayerischen Sparkassen um 54,6 Prozent (2,75 Milliarden Euro), der Umsatz von Fonds insgesamt um 22,3 Prozent (13,1 Milliarden Euro). Insgesamt stieg der Nettoabsatz von Wertpapieren an Private um 44,7 Prozent. Proßer: „Das zarte Pflänzchen der Wertpapierkultur entwickelt sich gut. Angesichts der zunehmenden Notwendigkeit, privat für die Zukunft vorzusorgen, ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung. Der Trend geht dabei sogar zum Zweit- oder Drittdepot, die Kunden sind sehr agil.“
Altersvorsorge in den Mittelpunkt
Insgesamt sind 2025 die Gesamteinlagen bei den bayerischen Sparkassen sogar noch stärker gestiegen (+3 Prozent) als bei den Privaten, die Entwicklung des Nettoabsatzes von Wertpapieren lag auf ähnlich hohem Niveau (+ 41%). In Bayern wird gespart für die Zukunft, die Sparmotive liegen v. a. in der wirtschaftlichen Unsicherheit und dem Vorsorgesparen (Liquiditätsaufbau bei Unternehmen, Zukunftsvorsorge bei Privaten). Die Kunden der bayerischen Sparkassen haben 2025 insgesamt wieder (wie auch 2024) 9,5 Milliarden Euro an Geldvermögen gebildet. 7,4 Milliarden Euro davon liegen bei privaten Kunden (‑8,2 Prozent), dieser Wert liegt damit nach hohen Zuwächsen jetzt wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. „Rein rechnerisch sind das im Durchschnitt 660 Euro je Konto bei den bayerischen Sparkassen – schon damit kommt man nicht weit, wenn man effektiv für die Zukunft vorsorgen will“, rechnete Dießl vor. „Hier bildet sich eine Gefahr für die Altersvorsorge ab. Umso wichtiger werden staatlich geförderte Instrumente!“
Angesichts des strukturellen Defizits, das aus der demografischen Entwicklung entstehe, steige das Risiko der Altersarmut für viele Menschen in Deutschland. Während das Umlageverfahren in der Gesetzlichen Rentenversicherung zusehends an seine Grenzen komme, seien Betriebsrenten und die private Vorsorge insgesamt nicht in der Lage, dem wirksam entgegenzuwirken. V. a. Frauen, Geringverdiener und Personen mit gebrochenen Erwerbsbiografien, seien betroffen. Dießl forderte daher: „Wir haben gelernt, dass bisherige Lösungen nicht ausreichen und effizientere Mittel zur kapitalgedeckten Vorsorge zum Einsatz kommen müssen. Neue Instrumente für die private Altersvorsorge müssen Kapitalmarktstrukturen wesentlich besser integrieren. Dazu brauchen die Menschen jetzt chancenorientierte staatlich geförderte Produkte!“
Im geplanten Altersvorsorgereformgesetz, das noch 2026 in Kraft treten soll, sieht Dießl gute Ansätze dafür. Er begrüßte den Vorstoß für die Einführung der staatlich finanzierten sogenannten „Frühstart-Rente“, die den Grundstein für eine private, kapitalgedeckte Altersvorsorge schon im Kindesalter legen soll, sowie ein staatlich gefördertes reguläres Altersvorsorgedepot, das renditeorientierte, aktienbasierte private Vorsorge ohne strenge Beitragsgarantien etablieren soll. „Man darf ja bei der Neustrukturierung nicht wieder die gleichen Fehler machen wie früher.Das Konzept der Bundesregierung setzt auf einfache, transparente und bürokratiearme Strukturen, renditestarke Kapitalmarktanlagen werden ermöglicht und die staatliche Förderung schafft Anreize zur privaten Altersvorsorge. Das sehen wir positiv. Jetzt muss aber schnell und im Sinne der Bürger geklärt werden, wie auch Selbstständige in die Förderung kommen, wie der Kostendeckel aussieht und welche Wertpapiere für die Depots zugelassen werden“, mahnte Dießl.
Proßer ergänzte: „Wir brauchen unbedingt ein hocheffizientes Depot-Konstrukt! Dann kann das Altersvorsorgedepot zum starken Instrument für mehr Chancengerechtigkeit werden, ein frühzeitiger Vermögensaufbau möglich und die Altersvorsorge insgesamt nachhaltiger werden.“
Depot für die Hosentasche: S- Neo
Eine neue Möglichkeit zum Vermögensaufbau schaffen die Sparkassen 2026 mit dem neuen Sparkassen-Depot „S-Neo“ für das Smartphone. Die Sparkassen reagieren damit auf den deutlichen Trend hin zu mobilen Wertpapierangeboten. Mit „S-Neo“ werden Sparkassen ein zeitgemäßes Depot direkt in der App Sparkasse und damit eine moderne, kundenzentrierte Lösung für digitale Selbstentscheider bieten. Zielgruppe sind zunächst vor allem, aber nicht nur, die über 19 Millionen aktiven Nutzer der Sparkassen-App. Denn die wachsende Wertpapierkultur in Deutschland entwickelt sich schnell, v. a. bei jüngeren Kunden. Proßer: „Langfristig erhöhen sie damit nicht ihr Risiko, sondern die Chance auf einen realen Vermögenszuwachs. Damit wird Wertpapier-Handel so einfach und schnell wie bei Neo-Banken, ist aber eingebettet in die umfassend sichere Umgebung der Sparkassen.“ „S-Neo“ ermöglicht künftig den Handel mit Fonds, ETFs und Aktien auf der einheitlichen Plattform der Sparkassen-App ohne Medienbrüche und komplett integriert ins bestehende und äußerst erfolgreiche Mobile-Banking. Diese mobile Filiale der Sparkassen wurde in einer aktuellen Untersuchung über die besten Banking-Apps des Jahres 2026 für die Zeitschrift Capital gerade zum fünften Mal in Folge als Testsieger gekürt.
Ebenfalls in die Sparkassen-App eingebunden wird 2026 „S-Krypto“, ein Bereich, in dem volljährige Selbstentscheider Krypto-Werte halten können. Kunden bewegen sich dann im gewohnten Umfeld der S-App und investieren innerhalb eines regulierten, verlässlichen Ökosystems statt auf intransparenten Handelsplattformen. Dießl bekräftigte dazu die Haltung der Sparkassen: „Krypto-Werte bleiben hochspekulativ mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust. Dahinter stehen keine echten Unternehmenswerte. Wer investiert, sollte dies nur in Kenntnis dieser Risiken und nie als vollständigen Ersatz für eine solide Vermögensstruktur tun.“
Privater Vermögensaufbau durch Immobilien
Viele Menschen setzen kreditfinanzierte eigene Immobilienals weitere tragende Säule ihrer Vermögensvorsorge ein. Sie nutzen dafür Immobiliendarlehen, die inzwischen mehr als 90 Prozent aller privaten Kredite bei den bayerischen Sparkassen ausmachen.
Die nach der Zinswende gesunkene Kreditnachfrage nach privaten Immobiliendarlehen hatte sich schon mit dem Ablauf des Jahres 2024 wieder gedreht, 2025 setzte sich diese Stabilisierung fort: Die Darlehenszusagen nahmen weiter zu (+28,3 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro) und auch die Darlehensauszahlungen sind gestiegen (+17,9 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro), so dass sich eine deutliche Auswirkung auf den Kreditbestand der bayerischen Sparkassen für 2026 ergeben wird. Proßer relativierte aber: „Es geht Schritt für Schritt aufwärts, trotz weiterhin stark steigender Baupreise! Aber es ist eben keine umfassende Erholung, denn für sehr viele, v. a. junge, Menschen überkompensieren Bau- und Baunebenkosten die nach den EZB-Zinssenkungen gesunkenen Bauzinsen.“
Die Darlehenszusagen für den Kauf bestehender Immobilien betragen auch 2025 – genauso wie 2024 – noch das 3,5fache der Zusagen für Neubaufinanzierungen. „Für eine wirksame Entlastung des Wohnungsmarkts reicht das noch nicht“, so Dießl. Zwar gebe es nach 3-jähriger Talfahrt im Wohnungsbau erste Anzeichen für eine Trendwende, denn in Bayern wurden in den ersten drei Quartalen 2025 13,4 Prozent mehr Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahr, dies aber ausgehend von einem niedrigen Niveau. Die Nachfrage bleibe aber größer als das Wohnraumangebot in Deutschland. „Finanzierungen wären verfügbar. Wichtig zur Senkung der Baunebenkosten wären jetzt Maßnahmen wie die Streichung der Grunderwerbssteuer beim Erstimmobilienkauf sowie die Lockerung so mancher Auflage und bürokratischer Vorschrift,“ so Dießl.