04.03.2026 | Bayerische Sparkassen 2025 – Finanzen verstehen. Zukunft machen.

Europäische Souveränität im Zahlungsverkehr forcieren!

Präsident Matthias Dießl und Vizepräsident Stefan Proßer (links) auf der Jahrespressekonferenz der bayerischen Sparkassen

Unter dem Motto „Finanzen verstehen. Zukunft machen.“ haben die bayerischen Sparkassen heute Bilanz über das Geschäftsjahr 2025 gezogen. In einer Zeit geopolitischer Umbrüche und wirtschaftlicher Unsicherheit präsentieren sich die Institute als stabiler Anker für die Region und fordern mehr Tempo bei der digitalen Unabhängigkeit Europas.

Schlaglichter zum Jahr 2025:

  • Die bayerischen Sparkassen blicken auch 2025 auf ein Wachstumsjahr zurück, in dem ihre Bilanzsumme auf 268 Milliarden Euro ausgeweitet werden konnte und ihre Erträge sich weiter stabilisierten. Damit können sie ihre Rolle als Finanzierungspartner Nr. 1 in den bayerischen Regionen weiterhin zuverlässig ausfüllen. 
  • Das Kreditvolumen der bayerischen Sparkassen wuchs 2025 nach verhaltener Entwicklung in den beiden Vorjahren wieder deutlich an und erreichte 175,1 Milliarden Euro.Mit einer Wachstumsrate von 1,9 Prozent im Bestand knüpft der Kreditbestand gut an das hohe Niveau der Vorjahre an. Das Kreditjahr 2025 gehört aber infolge der Investitionszurückhaltung der Unternehmen wie die Vorjahre zu den schwächeren der vergangenen 10 Jahre.
  • Das Kreditneugeschäft erholte sich 2025 weiter: Nach einem Einbruch um knapp ein Drittel in 2023 und nur leichtem Anstieg in 2024 (+7,3 Prozent) konnten 2025 um 21,6 Prozent mehr Neukredite zugesagt werden.
    • Die Darlehenszusagen an Unternehmen und Selbständige, die über die Hälfte der Neukredite ausmachen nahmen dabei um 17 Prozent zu (2024: + 0,2 Prozent), sie betrugen 16,4 Milliarden Euro.
    • Im Neugeschäft mit privaten Kunden konnte ein Zuwachs von 26,2 Prozent erzielt werden. (2024: +20,7 Prozent; 2023: -41,6 Prozent). Mehr als 90 Prozent daraus kommen aus dem wieder angelaufenen Geschäft mit Wohnungsbaudarlehen.
    • Das Immobiliengeschäft der bayerischen Sparkassen hat in 2025 insgesamt die Trendwende von 2024 fortgesetzt: 2025 wurden insgesamt 27,2 Prozent mehr Wohnungsbaufinanzierungen abgeschlossen als 2024. Der größte Teil davon fließt allerdings erneut nicht in den Neubau, sondern in den Erwerb und die Sanierung von Immobilien.
  • Das Einlagevolumen bei den bayerischen Sparkassen wuchs 2025 um 6,2 Milliarden Euro (+3,0 Prozent) auf 209,6 Milliarden Euro:
    • Vor allem die Sichteinlagen nahmen mit einer Steigerung um 8,4 Milliarden Euro deutlich zu (+6 Prozent; 2024: +1,9 Prozent). Spareinlagen hingegen wurden auch 2025 wieder reduziert (-1,6 Milliarden Euro), allerdings nicht mehr im selben Ausmaß wie in den Vorjahren.
    • 2025 setzte sich auch das Wachstum des Wertpapiergeschäfts fort: Der Umsatz nahm 2025 nochmals deutlich zu (+18,9 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro). Gehandelt wurden vornehmlich Aktien, Optionsscheine und Investmentfonds (Nettoabsatz insgesamt +40,7 Prozent).
    • Insgesamt konnten die Kunden der bayerischen Sparkassen 2025 trotz hoher Lebenshaltungskosten wieder 9,5 Milliarden Euro an neuem Geldvermögen bilden, davon 7,4 Milliarden bei privaten Kunden.
    • Der Einlagenüberhang der bayerischen Sparkassen stieg 2025 auf nunmehr 34,5 Milliarden Euro. Damit konnten sie auch im vierten Jahr nach der Zinswende wieder steigende Zinserträge erzielen.
  • Der Zinsüberschuss stabilisierte sich nach einem Jahrzehnt der Null- bis Negativzinsen auf einem auskömmlichen Niveau (+2,5 Prozent).
  • Das deutliche Wachstum im Provisionsüberschuss von 5,5 Prozent wurde schon durch die Zunahme des Verwaltungsaufwands überkompensiert.
  • Die Cost-Income-Ratio stieg leicht auf 54,7 Prozent (2024: 53,0 Prozent).
  • Im laufenden Jahr 2026 erwarten die bayerischen Sparkassen ein stabiles operatives Geschäft. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere des Anstiegs der Firmeninsolvenzen in Deutschland (höchster Wert seit 20 Jahren), dürften allerdings steigende Risikovorsorgen erforderlich werden.

 

Europäische Souveränität im Zahlungsverkehr

Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern sieht die europäische Souveränität als Generalziel, nach dem sich derzeit auch die Kreditwirtschaft ausrichtet: „Wir leben in einer Zeit geopolitischer Umbrüche. Die Stärkung der europäischen Souveränität ist für uns das Gebot der Stunde. In diesem unruhigen Umfeld sind die Sparkassen ein Fels in der Brandung. Wir leisten täglich überall im Freistaat vor Ort Grundlagenarbeit als Finanzdienstleister, damit das Fundament unseres Landes in Europa trotz globaler Stürme stabil bleibt. Und wir schaffen Infrastruktur im digitalen Zahlungsverkehr, leisten unseren Beitrag für den gemeinsamen Weg zur europäischen Souveränität.“

In unserer zunehmend vernetzten Welt sei die durchgehende Digitalisierung und Datenmobilität zur Notwendigkeit, gleichzeitig aber auch zur Schwachstelle geworden. Europa sei bei Betriebssystemen, Cloud-Infrastruktur und KI-Modellen massiv von nicht-europäischen Anbietern abhängig. Der Digitale Euro stehe für 2029 auf der Tagesordnung, der europäische Zahlungsverkehr sei aber bereits heute von nicht-europäischen Big Tech-Anbietern dominiert. Dießl fordert daher: „Entscheidend für die europäische Souveränität ist jetzt Tempo! Europa darf nicht länger abwarten!“

Auch die Sparkassen stellen immer mehr Leistungen in ihre Sparkassen-App, stellen sich noch stärker auf digitale Kundenlösungen für Finanzdienstleistungen ein. Gerade beim Bezahlen beteiligen sie sich bereits seit Jahren an der European Payment Initiative und treiben die gemeinsame europäische Lösung mit voran: Der Bezahldienst Wero wurde als kontobasierte, datensichere und schnelle Alternative für europäische Bankkunden entwickelt, ist bereits seit 2024 im Einsatz und wird schrittweise erweitert. Er stärkt die digitale Souveränität und hält die Kontrolle und die Wertschöpfung in Europa. Das System zeichnet sich durch höchste Sicherheit, DSGVO‑Konformität und eine faire Preisstruktur aus. Inzwischen nutzen in Deutschland 6,7 Millionen Menschen Wero, in ganz Europa gibt es 51,6 Millionen registrierte Nutzer. Stefan Proßer, Vizepräsident des Sparkassenverbands Bayern bekräftigte: „Die Zahl der Nutzer entwickelt sich schnell. Mit der Möglichkeit zum Einsatz bei immer mehr Händlern dürfte die Bewegung jetzt rasch weiter an Fahrt aufnehmen. Denn wir haben mit Wero eine echte europäische Alternative – sicher, transparent und zu fairen Konditionen.“ 

Der erste rein europäische Bezahldienst Wero ist eine offene Initiative und bringt den europäischen Kerngedanken „Einheit in Vielfalt“ ins Payment: Zuletzt haben sich Payment-Services aus Italien, Spanien, Portugal und Länder Skandinaviens angeschlossen, perspektivisch können über 70 Prozent der Europäer auf Wero zurückgreifen. Dießl rief auf: „Wero ist die richtige Antwort auf außereuropäische Zahlungsdienste und ‚schon da‘. Wichtig ist jetzt, dass viele Banken, der Handel und die Europäer einsteigen – wann, wenn nicht jetzt wäre der richtige Zeitpunkt?“

Im Jahr 2029, dem geplanten Roll-out des Digitalen Euro, wird Wero bereits ein halbes Jahrzehnt Vorsprung haben. Der Aufbau einer parallelen Zahlungsinfrastruktur erübrige sich daher, so Dießl – die europäische Alternative sei bereits Realität. Er warnte, dass mit der von der EZB im Moment geplanten Ausgestaltung des Digitalen Euro außerdem generell erhebliche Risiken verbunden sein können. Mit dem Open-Funding z. B. würde nicht-europäischen Big Techs sogar ein besonders einfacher Zugang zu den europäischen Kundenschnittstellen gewährt. „Mit Blick auf die europäische Souveränität wäre das mehr als kontraproduktiv. Ein Digitaler Euro ohne Kontoanbindung konterkariert die Souveränitätsbestrebungen. Die europäischen Anbieter würden die regulatorische Last und hohe Umsetzungskosten tragen, während das eigentliche Ziel gar nicht erreicht wird“, so Dießl. “So würde auch das bewährte Geschäftsmodell der europäischen Banken geschwächt, das kann nicht das Ziel sein!“

 

Geschäftsjahr 2025:

Starke Bilanz und solide Finanzlage

Konsequente Weiterentwicklung im operativen Geschäft mehr lesen schließen

Trotz des schwierigen Marktumfelds blicken die bayerischen Sparkassen auf ein solides Geschäftsjahr zurück. Sie verzeichnen eine robuste operative Geschäftsentwicklung, Einlagenvolumina und Kreditbestände bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau. Die Sparkassen wachsen, ihre Bilanzsumme liegt inzwischen bei 268MilliardenEuro.

Der Kreditbestand ist 2025 stieg leicht auf 175,1 Milliarden Euro (+1,9 Prozent) und das Einlagenvolumen konnte um 3 Prozent auf 209,6 Milliarden Euro gesteigert werden. Mit einem Einlagenüberhang von 34,5 Milliarden Euro ist genügend Spielraum vorhanden, der es den bayerischen Sparkassen ermöglicht, weitere Investitionen zu finanzieren. „Wir haben genügend Spielraum über die Einlagen und wir verfügen über das notwenige Eigenkapital – es gibt also keine Kreditklemme. Wir stehen bereit, den notwendigen Umbau der Wirtschaft und den Wohnungsbau kraftvoll zu finanzieren, hier geht noch mehr!“ so Dießl. Das zeigt sich auch am Kreditneugeschäft in 2025: Es konnten um 21,6 Prozent mehr Darlehen zugesagt werden (Privatkunden: +26,2 Prozent, Unternehmenskunden: + 17,0 Prozent).

Leichter Gewinnrückgang mehr lesen schließen

Als wesentliche Ertragsgröße hat sich der Zinsüberschuss der bayerischen Sparkassen 2025 weiter stabilisiert und bewegt sich wieder auf einem neuen Normalniveau, das aber nicht an die Zeit vor der Zinswende anknüpfen kann: Mit 4,582 Milliarden Euro liegt er knapp (+2,5 Prozent) über dem Zinsergebnis 2024. Die Verbesserung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Zum einen erlaubten auslaufende Niedrigzins-Kreditengagements trotz abnehmender Zinsmargen im Zuge der EZB-Zinssenkungen eine leichte Steigerung des Zinsertrags (+2,4 Prozent). Gleichzeitig sank der Zinsaufwand infolge der Strukturverschiebung in den Kundeneinlagen bei den bayerischen Sparkassen um 17,6 Prozent auf 1,899 Milliarden Euro. Denn auch 2025 strukturierten wieder viele Kunden ihre Einlagen um, lösten Spareinlagen und Eigenemissionen zugunsten von täglich fälligen, niedrig verzinsten Sichteinlagen und Termingeldern auf. Das in den zurückliegenden Jahren hohe Zinsergebnis aus Derivaten wurde nach Jahren, in denen sich die in der Niedrigzinsphase eingegangenen Geschäfte zur Absicherung gegen Zinsänderungsrisiken in einem Umfeld schnell gestiegener Zinsen deutlich ertragssteigernd ausgewirkt hatten, wieder auf rund 164 Millionen Euro reduziert (-72,8 Prozent). Proßer stellte insgesamt fest: „In Summe stellen sich die Lage im Zinsüberschuss bei den bayerischen Sparkassen allerdings sehr heterogen dar, die Tendenzen können von Haus zu Haus deutlich abweichen.“

Das 2024 erzielte Betriebsergebnis vor Bewertung konnte mit 2,969 Milliarden Euro in 2025 nicht ganz erreicht werden (-0,2 Prozent, 2024: 2,974 Milliarden Euro). Die Belebung im Wertpapiergeschäft sorgte zwar für ein deutliches Wachstum des Provisionsüberschusses um 5,5 Prozent. Dies wurde allerdings allein durch einen Anstieg im Verwaltungsaufwand infolge erhöhter Personalkosten für mehr Mitarbeitende und hohen Investitionen ins Geschäftsstellennetz verbraucht. Die immer noch gute Cost-Income-Ratio stieg damit leicht auf nunmehr 54,7 Prozent (2024: 53,0 Prozent). Die Kernkapitalquote sank infolge von geänderten Bewertungsvorschriften und erhöhter Kreditvergabe um 0,16 Prozentpunkte auf 16,27 Prozent. „Damit verfügen wir über eine stabile Kapitalquote um die bayerischen Regionen gut mit Krediten zu versorgen“, so Dießl.

Betriebsergebnis erlaubt erneut Stärkung der Vorsorge mehr lesen schließen

Nach Abzug der Risikovorsorge im Kreditbereich und Korrekturen im Wertpapierbereich erwarten die bayerischen Sparkassen für das Geschäftsjahr 2025 ein Betriebsergebnis nach Bewertung von 1,373 Milliarden Euro(2024: 1,374 Milliarden Euro). Nach den noch vorläufigen Berechnungen (Ende der Jahresabschlussprüfungen: 31.05.2026) wird nach Steuern am Ende der Jahresüberschuss mit 557 Millionen Euro letztlich über dem von 2024 liegen (2024: 454 Millionen Euro). Dießl dazu: “2025 ist ein weiteres Jahr ohne gravierende Einschnitte wie während der Niedrigzinsphase oder der Pandemie – solche Phasen brauchen wir, um Reserven aufzubauen, uns in der neuen Stabilität einzuschwingen und um unsere Unterstützung für unsere Kunden zu arrondieren.“

Insgesamt bewegt sich das Bewertungsergebnis2025 nahezu auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr:

Im Kreditbereich setzt sich die Tendenz zum vorsorglichen Aufbau der Kreditrisikovorsorge fort, diese wird gegenüber 2024 deutlich ansteigen auf nunmehr 315 Millionen Euro. In einer rezessiven Phase müssen die Sparkassen mit negativen Auswirkungen auf den Mittelstand rechnen, das Risiko von vermehrten Kreditausfällen steigt. Dießl erläuterte: „Wir bereiten uns natürlich vor, doch Kreditausfälle größeren Ausmaßes beobachteten wir bei unseren Kunden auch 2025 nicht. Kreditvergabewunsch und Risikobewusstsein stehen in einem ausgewogenen Verhältnis.“

Das Bewertungsergebnis im Wertpapierbereich wird im Vergleich zu 2024 auf wesentlich niedrigerem Niveau liegen und keine große Rolle für das Bewertungsergebnis insgesamt spielen.

Matthias Dießl ordnete das solide Betriebsergebnis 2025 als wichtigen Schritt für die Sparkassen in Bayern ein: „Unsere mittelständischen Kunden dürfen sich darauf verlassen, dass sie in uns stabile Partner haben, die ihnen in Transformations- und Stagnationszeiten den Rücken stärken können. Gerade für die kommende Zeit liegt hier ein Schwerpunkt unserer Arbeit und wir werden diese Aufgabe erfüllen. Gleichzeitig sind wir bereit, Zukunftsthemen zu finanzieren.“

Bilanzperspektive Private Kunden mehr lesen schließen

Nachdem der massive Einlagenzustrom der Negativzinsjahre 2023 unterbrochen wurde stiegen die Einlagen 2025 zum zweiten Mal wieder an. Rund drei Viertel davon kommen von privaten Kunden, die trotz breiten Wettbewerbsangeboten 2,6 Prozent mehr bei ihren Sparkassen einlegten und jetzt für einen Einlagenbestand von 158,9 Milliarden Euro stehen.

Dabei stiegen besonders die Sichteinlagen der privaten Kunden auf nunmehr 107,4 Milliarden Euro an (2025: +6,1 Prozent, 2024: +1,5 Prozent, 2023: ‑3,5 Prozent). Die Spareinlagen wurden auch 2025 wieder reduziert (‑1,5 Milliarden Euro), allerdings nicht mehr im selben Ausmaß wie in den beiden Vorjahren. Umgeschichtet wurde nicht nur zu täglich fälligen Geldern, sondern auch zu Termingeldern (+5,7 Prozent). Insgesamt flossen den Sichteinlagen aber über 6,2 Milliarden Euro an neuen Mitteln von Privaten zu. Dies obwohl die Sparquote in Deutschland auf rund 10 Prozent des verfügbaren Einkommens gesunken ist.

Bei immer mehr Menschen in Deutschland kommt die Botschaft an, dass langfristiger Vermögensaufbau besser mit Wertpapieranlage bzw. dem Wertpapiersparen gelingt. Auch bei den bayerischen Sparkassen zeigt sich diese Entwicklung, die Zahl der Wertpapierdepots stieg 2025 um 3,9 Prozent. Es passiert auch mehr auf diesen Depots: Der Umsatz im Wertpapiergeschäft mit privaten Kunden nahm 2025 nochmals deutlich zu (+19,8 Prozent, 2024: +26,4 Prozent). Gehandelt wurden v. a. Aktien/Optionsscheine und Investmentfonds, weniger Anleihen. 2025 stieg der Umsatz mit ETF an private Kunden der bayerischen Sparkassen um 54,6 Prozent (2,75 Milliarden Euro), der Umsatz von Fonds insgesamt um 22,3 Prozent (13,1 Milliarden Euro). Insgesamt stieg der Nettoabsatz von Wertpapieren an Private um 44,7 Prozent. Proßer: „Das zarte Pflänzchen der Wertpapierkultur entwickelt sich gut. Angesichts der zunehmenden Notwendigkeit, privat für die Zukunft vorzusorgen, ist das eine sehr erfreuliche Entwicklung. Der Trend geht dabei sogar zum Zweit- oder Drittdepot, die Kunden sind sehr agil.“

Altersvorsorge in den Mittelpunkt

Insgesamt sind 2025 die Gesamteinlagen bei den bayerischen Sparkassen sogar noch stärker gestiegen (+3 Prozent) als bei den Privaten, die Entwicklung des Nettoabsatzes von Wertpapieren lag auf ähnlich hohem Niveau (+ 41%). In Bayern wird gespart für die Zukunft, die Sparmotive liegen v. a. in der wirtschaftlichen Unsicherheit und dem Vorsorgesparen (Liquiditätsaufbau bei Unternehmen, Zukunftsvorsorge bei Privaten). Die Kunden der bayerischen Sparkassen haben 2025 insgesamt wieder (wie auch 2024) 9,5 Milliarden Euro an Geldvermögen gebildet. 7,4 Milliarden Euro davon liegen bei privaten Kunden (‑8,2 Prozent), dieser Wert liegt damit nach hohen Zuwächsen jetzt wieder auf dem Vor-Corona-Niveau. „Rein rechnerisch sind das im Durchschnitt 660 Euro je Konto bei den bayerischen Sparkassen – schon damit kommt man nicht weit, wenn man effektiv für die Zukunft vorsorgen will“, rechnete Dießl vor. „Hier bildet sich eine Gefahr für die Altersvorsorge ab. Umso wichtiger werden staatlich geförderte Instrumente!“

Angesichts des strukturellen Defizits, das aus der demografischen Entwicklung entstehe, steige das Risiko der Altersarmut für viele Menschen in Deutschland. Während das Umlageverfahren in der Gesetzlichen Rentenversicherung zusehends an seine Grenzen komme, seien Betriebsrenten und die private Vorsorge insgesamt nicht in der Lage, dem wirksam entgegenzuwirken. V. a. Frauen, Geringverdiener und Personen mit gebrochenen Erwerbsbiografien, seien betroffen. Dießl forderte daher: „Wir haben gelernt, dass bisherige Lösungen nicht ausreichen und effizientere Mittel zur kapitalgedeckten Vorsorge zum Einsatz kommen müssen. Neue Instrumente für die private Altersvorsorge müssen Kapitalmarktstrukturen wesentlich besser integrieren. Dazu brauchen die Menschen jetzt chancenorientierte staatlich geförderte Produkte!“

Im geplanten Altersvorsorgereformgesetz, das noch 2026 in Kraft treten soll, sieht Dießl gute Ansätze dafür. Er begrüßte den Vorstoß für die Einführung der staatlich finanzierten sogenannten „Frühstart-Rente“, die den Grundstein für eine private, kapitalgedeckte Altersvorsorge schon im Kindesalter legen soll, sowie ein staatlich gefördertes reguläres Altersvorsorgedepot, das renditeorientierte, aktienbasierte private Vorsorge ohne strenge Beitragsgarantien etablieren soll. „Man darf ja bei der Neustrukturierung nicht wieder die gleichen Fehler machen wie früher.Das Konzept der Bundesregierung setzt auf einfache, transparente und bürokratiearme Strukturen, renditestarke Kapitalmarktanlagen werden ermöglicht und die staatliche Förderung schafft Anreize zur privaten Altersvorsorge. Das sehen wir positiv. Jetzt muss aber schnell und im Sinne der Bürger geklärt werden, wie auch Selbstständige in die Förderung kommen, wie der Kostendeckel aussieht und welche Wertpapiere für die Depots zugelassen werden“, mahnte Dießl.

Proßer ergänzte: „Wir brauchen unbedingt ein hocheffizientes Depot-Konstrukt! Dann kann das Altersvorsorgedepot zum starken Instrument für mehr Chancengerechtigkeit werden, ein frühzeitiger Vermögensaufbau möglich und die Altersvorsorge insgesamt nachhaltiger werden.“

Depot für die Hosentasche: S- Neo 

Eine neue Möglichkeit zum Vermögensaufbau schaffen die Sparkassen 2026 mit dem neuen Sparkassen-Depot „S-Neo“ für das Smartphone. Die Sparkassen reagieren damit auf den deutlichen Trend hin zu mobilen Wertpapierangeboten. Mit „S-Neo“ werden Sparkassen ein zeitgemäßes Depot direkt in der App Sparkasse und damit eine moderne, kundenzentrierte Lösung für digitale Selbstentscheider bieten. Zielgruppe sind zunächst vor allem, aber nicht nur, die über 19 Millionen aktiven Nutzer der Sparkassen-App. Denn die wachsende Wertpapierkultur in Deutschland entwickelt sich schnell, v. a. bei jüngeren Kunden. Proßer: „Langfristig erhöhen sie damit nicht ihr Risiko, sondern die Chance auf einen realen Vermögenszuwachs. Damit wird Wertpapier-Handel so einfach und schnell wie bei Neo-Banken, ist aber eingebettet in die umfassend sichere Umgebung der Sparkassen.“  „S-Neo“ ermöglicht künftig den Handel mit Fonds, ETFs und Aktien auf der einheitlichen Plattform der Sparkassen-App ohne Medienbrüche und komplett integriert ins bestehende und äußerst erfolgreiche Mobile-Banking. Diese mobile Filiale der Sparkassen wurde in einer aktuellen Untersuchung über die besten Banking-Apps des Jahres 2026 für die Zeitschrift Capital gerade zum fünften Mal in Folge als Testsieger gekürt.

Ebenfalls in die Sparkassen-App eingebunden wird 2026 „S-Krypto“, ein Bereich, in dem volljährige Selbstentscheider Krypto-Werte halten können. Kunden bewegen sich dann im gewohnten Umfeld der S-App und investieren innerhalb eines regulierten, verlässlichen Ökosystems statt auf intransparenten Handelsplattformen. Dießl bekräftigte dazu die Haltung der Sparkassen: „Krypto-Werte bleiben hochspekulativ mit hohen Risiken bis hin zum Totalverlust. Dahinter stehen keine echten Unternehmenswerte. Wer investiert, sollte dies nur in Kenntnis dieser Risiken und nie als vollständigen Ersatz für eine solide Vermögensstruktur tun.“

Privater Vermögensaufbau durch Immobilien

Viele Menschen setzen kreditfinanzierte eigene Immobilienals weitere tragende Säule ihrer Vermögensvorsorge ein. Sie nutzen dafür Immobiliendarlehen, die inzwischen mehr als 90 Prozent aller privaten Kredite bei den bayerischen Sparkassen ausmachen.

Die nach der Zinswende gesunkene Kreditnachfrage nach privaten Immobiliendarlehen hatte sich schon mit dem Ablauf des Jahres 2024 wieder gedreht, 2025 setzte sich diese Stabilisierung fort: Die Darlehenszusagen nahmen weiter zu (+28,3 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro) und auch die Darlehensauszahlungen sind gestiegen (+17,9 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro), so dass sich eine deutliche Auswirkung auf den Kreditbestand der bayerischen Sparkassen für 2026 ergeben wird. Proßer relativierte aber: Es geht Schritt für Schritt aufwärts, trotz weiterhin stark steigender Baupreise! Aber es ist eben keine umfassende Erholung, denn für sehr viele, v. a. junge, Menschen überkompensieren Bau- und Baunebenkosten die nach den EZB-Zinssenkungen gesunkenen Bauzinsen.“  

Die Darlehenszusagen für den Kauf bestehender Immobilien betragen auch 2025 – genauso wie 2024 – noch das 3,5fache der Zusagen für Neubaufinanzierungen. „Für eine wirksame Entlastung des Wohnungsmarkts reicht das noch nicht“, so Dießl. Zwar gebe es nach 3-jähriger Talfahrt im Wohnungsbau erste Anzeichen für eine Trendwende, denn in Bayern wurden in den ersten drei Quartalen 2025 13,4 Prozent mehr Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahr, dies aber ausgehend von einem niedrigen Niveau. Die Nachfrage bleibe aber größer als das Wohnraumangebot in Deutschland. „Finanzierungen wären verfügbar. Wichtig zur Senkung der Baunebenkosten wären jetzt Maßnahmen wie die Streichung der Grunderwerbssteuer beim Erstimmobilienkauf sowie die Lockerung so mancher Auflage und bürokratischer Vorschrift,“ so Dießl.

Bilanzperspektive Unternehmen und Selbstständige mehr lesen schließen

Der Bestand der Unternehmenskredite der bayerischen Sparkassen ist 2025 erneut leicht gewachsen und betrug zum Jahresende 94,5 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Das Wachstum konnte allerdings erneut nicht an die Raten vor 2023 anknüpfen. Deutliche Erholung zeigte sich 2025 aber im Neugeschäft, Unternehmen und Selbstständige fragten 16,4 Milliarden Euro bzw. 17 Prozent mehr neue Darlehen nach (2024: +0,2 Prozent). Der Anstieg ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass die Unternehmen in den beiden Jahren davor sehr wenig investiert haben. „Die Pipeline für 2026 ist jetzt wieder gut gefüllt“, so Proßer, „die Investitionen fließen aber leider immer noch v. a. in Ersatzinvestitionen oder Betriebsmittelkredite und sind meist keine Zukunftsinvestitionen. Denn eigentlich sind unsere Mittelständler stabil und robust und haben gute Eigenkapitalquoten. Viele hätten auch genügend eigene Reserven für große Investitionen, das sehen wir an den Einlagen. Doch die wirtschaftliche Lage war vielen Unternehmern 2025 noch zu unsicher. Zukunftsentscheidungen werden offensichtlich erst dann getroffen, wenn – geopolitisch gesehen – mehr Sicherheit in Hinsicht auf die globalen Absatzmärkte einkehrt.“ Dießl mahnte dazu: „Ein wesentlicher Schub für die Investitionsbereitschaft setzt die Auflösung struktureller Hemmnisse voraus. Weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit wären die Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum!“

Die anhaltende Wirtschaftskrise in Deutschland lässt sich auch am Insolvenzgeschehen ablesen: 2025 gingen so viele Firmen insolvent wie seit 20 Jahren nicht und auch die Insolvenzquote bei Sparkassenkunden steigt deutlich. Die NPL-Quote der bayerischen Sparkassen steigt daher leicht an, liegt aktuell allerdings immer noch unter 2 Prozent. Proßer gab deshalb Entwarnung: „Es gibt keine Insolvenzwelle bei bayerischen Sparkassenkunden. Die Unternehmen sind zwar sehr zurückhaltend bei der Inanspruchnahme von Kreditlinien. Die meisten verfügen aber über hohe Liquidität und die Sparkassen unterstützen nach Kräften,“Dießl ergänzte dazu: Die Problematik würde sich bei unveränderter Wirtschaftslage irgendwann bei den Sparkassen niederschlagen. Vor allem mit Blick auf die stagnierende Wirtschaft und die Zunahme der Insolvenzen haben die bayerischen Sparkassen 2025 eine Risikovorsorge für Kreditausfälle gebildet – insgesamt 315 Millionen Euro.“

Relaunch Bayerischer Gründerpreis

Die bayerischen Sparkassen sprechen den Unternehmen, die immer auch für die Existenzen anderer stehen, ihre Wertschätzung aus und investieren daher ab 2026 auch wieder verstärkt in den Unternehmergeist in Bayern. Sie legen den Bayerischen Gründerpreis neu auf, denn sie wissen: „Ideen brauchen Mut und Mut braucht Unterstützung“. Der Preis wird in vier Kategorien entlang des Lebenszyklus‘ eines Unternehmens an die jeweils besten Unternehmen mit Firmensitz in Bayern verliehen: StartUp, Aufsteiger, Nachfolge und Lebenswerk. Die Bewerbungsphase läuft bis zum 30.04.2026, Details unter www.bayerischer-gruenderpreis.de.

Finanzielle Bildung und Gesellschaftliches Engagement mehr lesen schließen

Die bayerischen Sparkassen spielen eine dauerhafte Rolle als Unternehmer und Steuerzahler in ihren Geschäftsgebieten. Mit knapp 34.039Beschäftigten gehören sie zu den größten Arbeitgebern in Bayern. Mit 2.846 Auszubildenden und Trainees zeigen sie dauerhaft Flagge als der größte Ausbilder in Bayern.

Als regionale Steuerzahler führen die bayerischen Sparkassen insgesamt voraussichtlich 754 Millionen Euro an gewinnabhängigen Steuern ab, darunter fast 1 Million Euro an Gewerbesteuern pro Tag, die die bayerischen Kommunen direkt stärken.

Als Kreditinstitute mit einem öffentlichen Auftrag spielen die Sparkassen auch eine besondere Rolle als nachhaltige Förderer der Gesellschaft im Freistaat: Neben Sponsoring­ und Spenden unterhielten die 55 bayerischen Sparkassen und der Sparkassenverband 2025 insgesamt 118 Stiftungen, mit denen sie soziale Zwecke, Umwelt, Kultur und Sport in ihren Geschäfts­gebieten fördern. Das Engagement reicht von lokalen Sportvereinen über Kulturförderungen bis hin zu Wissenschafts- und Forschungsprojekten. Insgesamt haben die Sparkassen 2025 64 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke und Einrichtungen bereitgestellt. Die Sparkassen stützen so die soziale Infrastruktur vor Ort. Davon profitieren alle im Geschäftsgebiet.

Financial Life Park

Besonders deutlich wurde das Motto der Pressekonferenz „Finanzen verstehen. Zukunft machen.“ beim Thema Finanzielle Bildung: DieBayerische Sparkassenstiftung treibt gemeinsam mit Partnern die Gründung eines „Financial Life Parks (FLiP) Bayern“ in Fürth voran. Ausgehend davon, dass Finanzwissen häufig an den Schulen nicht ausreichend Aufmerksamkeit bekommt, aber eine überaus wichtige Alltagskompetenz ist, wird die Stiftung Ludwig-Erhard-Haus dabei unterstützt, eine solche Erlebniswelt in Räumlichkeiten der Sparkasse Fürth umzusetzen. Dort werden Themen wie Sparen, Investieren, Kredite und digitale Zahlungssysteme an interaktiven Stationen vermittelt. Die Eröffnung des FLiP Fürth soll bereits im Schuljahr 2026/27 erfolgen. Dießl unterstrich die Bedeutung des Projekts auch vor dem Hintergrund des öffentlichen Auftrags der Sparkasse: „Finanzielle Bildung ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben, daher haben die Sparkassen den Auftrag, gerade die Jugend an Finanzthemen heranzuführen. Damit kann man gar nicht früh genug anfangen, deshalb unterstützen wir die Schulen bereits seit 50 Jahren über den Sparkassen-Schul-Service mit kostenfreien, didaktisch geprüften und werbefreien Materialien. Mit dem FLiP gibt die Bayerische Sparkassenstiftung jungen Menschen noch mehr Handwerkszeug, um ihre eigene wirtschaftliche Zukunft aktiv zu gestalten. Wir fördern damit auch die Generationen, die unser aller Zukunft gestalten – als Mitarbeitende, als Geschäftspartner und als politische Entscheidungsträger.“

 

Mehr Mitarbeitende gestalten die gemeinsame Zukunft mehr lesen schließen

Auch 2025 konnten die bayerischen Sparkassen wieder mehr Mitarbeitende gewinnen: Die Zahl der Mitarbeitenden stieg zum zweiten Mal um 0,7 Prozent auf inzwischen 34.039. Jede vierte Neueinstellung konnte mit Quereinsteigern aus anderen Wirtschaftszweigen erfolgen (442 Personen). Auch die Zahl der Auszubildenden und Trainees, die sich zielorientiert auf attraktive Laufbahnen in der Sparkassen-Finanzgruppe vorbereiten, ist deutlich angestiegen: Vor dem Hintergrund einer wieder deutlich gestiegenen Bewerberanzahl können derzeit 2.846 junge Menschen (+9,1 Prozent) die Grundlage für ihr Berufsleben in bayerischen Sparkassen legen.

Die bayerischen Sparkassen bereiten sich damit auf den demografischen Wandel in den kommenden Jahren vor. Eine Vergrößerung der Belegschaften heute erlaubt auch bei einer schrumpfenden Zahl an Arbeitskräften die stabile Versorgung der Kunden mit jeweils zeitgemäßen Finanzdienstleistungen. Dießl zeigt sich zuversichtlich: „Wir bauen jetzt genügend Mitstreiter auf, weil wir wissen, dass wir in den nächsten Jahren durch die hohe Zahl an Renteneintritten zwangsläufig wieder schrumpfen. Deshalb investieren wir auch verstärkt in den Einsatz von KI, damit wir auch künftig über genügend freie personelle Ressourcen zur umfangreichen Begleitung und Beratung unserer Kunden verfügen können.“

Die Altersstruktur und der zunehmende Fachkräftemangel schaffen in den kommenden Jahren sehr großen Nachbesetzungsbedarf in allen Fachbereichen. 27 Prozent der Belegschaft und 32 Prozent der Führungskräfte gehören Altersgruppen über 55 Jahren an und werden ihre Sparkassen in den nächsten Jahren verlassen. „Jetzt kommen Jahre mit Riesenchancen für alle, die bei uns Verantwortung übernehmen möchten“, so Dießl.

Dießl betonte zum Abschluss: „Die bayerischen Sparkassen arbeiten nach der Devise ‚Wir für die Menschen‘ und dieses ‚Wir‘ wird immer größer. Wir verstehen Finanzen und machen damit Zukunft – für die Menschen und die Wirtschaft unserer Heimat!“